Orthopädietechnik-Mechaniker

Inhaber - Norbert und Anja Sittler Inhaber - Norbert und Anja Sittler

Wie geht es weiter nach der Schule? Bin ich mit meinen Beruf zufrieden oder möchte ich mich anders orientieren? Welche Möglichkeiten habe ich und welche Voraussetzung  ist nötig? Die Bad Säckinger Geschäftswelt ist so vielseitig und darum möchten wir unseren Lesern ab dieser Ausgabe, jeden Monat ein neues Berufsbild vorstellen. In diesem Monat stellen wir den Beruf des Orthopädietechnik-Mechanikers vor.

 

Zur Person

Norbert Sittler in  Bonn geboren und aufgewachsen Er ist 51 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Kinder und zweifacher Großvater.

Warum haben Sie gerade diesen Beruf gewählt?

Mit diesem Beruf setze ich unsere Familientradition fort, die bereits in der dritten Generation als Orthopädietechnik-Mechaniker-Meister arbeitet. Auch unser Sohn Christian hat den Beruf  erlernt und arbeitet in Moment noch in Pforzheim.

Was macht Ihren Beruf so spannend?

Orthopädietechnik-Mechaniker stellen die verschiedensten orthopädietechnischen Hilfsmittel her und passen sie den Bedürfnissen der Patienten an. Je nach Schwerpunkt fertigen sie vor allem künstliche Gliedmaßen (Prothesen), Konstruktionen zur Unterstützung von Rumpf, Armen und Beinen (Orthesen) sowie spezielle Bandagen oder Erzeugnisse der Rehatechnik wie Rollstühle oder Krankenbetten an. Sie beurteilen die Krankheitsbilder und beraten Patienen bei der Wahl des passenden Hilfsmittels, nehmen Maß, erstellen Konstruktionszeichnungen und Modelle. Dabei verarbeiten sie Materialien wie Metall, Kunststoff, Holz, Gießharze oder Textilien maschinell und von Hand. Schließlich justieren sie die orthopädischen Hilfsmittel und erklären den Patienten die Bedienung oder Handhabung.

 

Was wird benötigt, um diesen Beruf zu erlernen?

So vielseitig wie der Beruf selbst ist, sind auch die Anforderungen. Gefragt sind handwerkliches Geschick beim Bearbeiten von Metall, Kunststoff oder Holz. Sorgfalt beim digitalen und manuellen Messen von Deformitäten und Fehlbildungen. Beobachtungsgenauigkeit beim exakten Anpassen von Kompressionsstrümpfen und Bandagen. Hinzu kommen Kundenorientierung und Kommunikationsfähigkeit bei Beraten der Kunden hinsichtlich der passenden orthopädischen Hilfsmittel.

Bericht von Dr. Gockel

Dr. Gockel – ein Leben mit Prothese und für Prothesenanwender

Doktor Gockel, Prothese, Sanitätsfachhandel Dr. Gockel

Das OZBS deckt das ganze Spektrum der konservativen Orthopädischen Therapie ebenso ab wie ein großes operatives Spektrum.
Dr. Gockel stellt hier seine Lebensgeschichte für Anwender zur Verfügung, um Mut zu machen und einen Einblick in die Fortschritte der Prothetik-Geschichte zu geben.
"Hallo", hier ist also meine Story:
ich wurde im Jahre 1950 in einem ländlichen Raum geboren, leider hatte sich im Bauch meiner Mutter ein Amnion-Strang gebildet, der zur Folge hatte, dass ich links einen Klump-Fuß (pes equinovarus) hatte und rechts unterhalb des Knies eine breite zirkuläre Schnürfurche, der rechte Fuß war extrem klein und verkrüppelt. Man hat mich dann sofort nach Kassel in eine orthopädische Klinik gebracht, dort wurde der rechte Fuß amputiert, aber davon weiß ich nichts mehr. Mein Stumpf ist sehr dünn und lang, die ganze Haut ist Pergament-dünn, die belastbaren Flächen sind insgesamt nur so groß wie eine Kinderhandfläche. So laufe ich jetzt seit fast 54 Jahren mit einer Beinprothese herum und habe so ziemlich alles ausprobiert, was es seither so gab.
Meine Mutter erzählte mir mit großer Freude, dass ich an meinem ersten Geburtstag mit einer etwa 30 Zentimeter langen Prothese, die ohne Gelenke und aus Leder gefertigt war, meine ersten Schritte machte. An weitere Prothesen, die aus Chrom-gegerbtem Leder gemacht waren, kann ich mich gut erinnern. Dann kam die Aera der Prothesen, die aus Holz gebaut waren. Diese hatten einen großen Vorteil: Der Fuß an dieser Prothese war beweglich und sehr komfortabel (Kreisinger). Auch während des Wachstums war die Prothese aus Holz sehr praktisch: Sie wurde durchgesägt und eine Scheibe eingesetzt, so passte die Länge wieder, und ich brauchte nur alle 3-4 Jahre eine neue, das war kostengünstig, denn mein Vater musste alles selbst und ohne Versicherung bezahlen, da es ein angeborenes Handicap war. Als ich 18 Jahre alt war und ausgewachsen, bekam ich meine erste Prothese, die wasserfest war und mit der ich schwimmen konnte. Daran saß ein Sach-Fuß, der war nicht sehr komfortabel, aber im Schwimmbad war das nicht so wichtig. Diese Prothese wurde am Knie mit einer Plastikschlaufe gehalten.
Einen Teil meines Studiums absolvierte ich in Hannover , dort gab es die damals wohl größte orthopädische Klinik in Deutschland, das „Annastift“, der Leiter dieser Werkstatt war Herr John. Er hatte den Ehrgeiz, mich erstmals an eine Prothese ohne Oberschaft zu bringen. Diese Prothese war nach dem Prinzip KBM (Kondylen-Bettung Münster) gebaut, dazu habe ich noch einen Halte-Mechanismus wie eine Ratsche an der Kondyle konstruiert, aber ich konnte mit dieser Prothese nicht gut laufen und habe mir dann wieder eine Prothese mit Kniegelenken und Oberschaft bauen lassen.
Zwischenzeitlich hatte ich mein Medizinstudium beendet und kam nach einer unfallchirurgisch-orthopädischen Ausbildung als Oberarzt in eine orthopädische Klinik in der Nähe von Basel. Hier lernte ich nun Daniel Hueskes kennen, einen begnadeten Orthopädie-Techniker . Irgendwann, ich denke es war 1985, sagte er mir: " ich war in San Diego bei Freunden, die haben einen neuen Fuß aus Carbon konstruiert, ich habe dir den ersten Flex-Foot Walk-Foot Europas mitgebracht“. Er baute mir eine neue Prothese mit diesem „Walk-Foot“, und ich war begeistert und konnte mit dieser Prothese ganz gut laufen und das erste Mal in meinem Leben auf dem rechten Bein hüpfen. Daniel hatte viel Mühe, da mein langer Stumpf eine konfektionierte Adaptation nicht zuließ.
Daniel war immer für Neuigkeiten zu haben: Die nächste Prothese hatte einen Siliconsocket, der nannte sich „Iceross“ und hatte an der Spitze einen Adapter, mit dem sich dieser an der Prothese einhakte. Aber meine Stumpf-Spitze machte das nicht mit, da haben wir diesen Adapter einfach abmontiert und dann ging es gut. Ich habe aber diesen Socket dann nur für meine Schwimm-Prothesen genommen, da es ein Problem mit Hyperhydrosis gab.
Ich habe dann Herrn Post kennen gelernt, dieser war Meister in der orthopädischen Werkstatt in Bad Säckingen, in der ich seit über 20 Jahren als Facharzt für Orthopädie niedergelassen bin. Herr Post baute mir eine Prothese, mit der ich jetzt viele Stunden ohne Probleme gehen kann. Sie hat den neuesten Carbon-Fuß.
( Anm. Össur: Inzwischen ist Herr Michael Post Area-Manager bei Össur. In Zusammenarbeit mit der Fa. Schneider, Bad Säckingen, wird Herr Dr. Gockel jedoch weiterhin von ihm mit betreut. Der Prothesenfuß ist jetzt der Talux). Anfangs war ich etwas skeptisch, aber die Beweglichkeit des Fußes in der zweiten Dimension möchte ich nun nicht mehr missen. Meine Prothese wird seit einem Jahre mit einer Siliconbandage (Iceflex) am Knie gehalten. Wenn ich gehe, sieht man eigentlich nicht, dass ich eine Prothese trage. Ich gehe zur Jagd und Fliegenfischen, und auch schwieriges Gelände ist kein Problem mehr für mich.
Ich bin sehr froh, dass auch die Orthopädie-Technik enorme Fortschritte gemacht hat. Dank der Innovationsfreude auch Ihrer Firma hat mir das Laufen in meinem Leben noch nie so viel Freude gemacht hat wie in den letzten Jahren.
Am 1. Januar 2002 haben Dr. Craciun, Dr. Mohr und ich das " Orthopädische Zentrum Bad Säckingen " (OZBS) gegründet. Ich denke, wir sind die einzige orthopädische Praxis, in welcher zwei Ärzte amputiert sind: auch Dr. Craciun hat rechts eine Unterschenkel-Prothese.
Ihr könnt uns im Internet besuchen unter http://www.ozbs.de
Herzlichen Dank von Össur an Herrn Dr. Gockel für seinen Bericht.